Die Verkehrspolitik in Ratingen

Der nachstehendenText wurde von mir bereits am 18.08.2000 veröffentlicht, und trifft auch heute noch den Kern des gesamten Problemes.

 

L239n - die unendliche Geschichte

Seit ca. 1976 wird von verschiedenen Interessensgruppen vehement über das Für und Wider des Ausbaues oder Neubaues der Mettmannerstraße gestritten.

Die Befürworter des Neubaues argumentierten im wesentlichen: 
nur durch einen Neubau der planfestgestellten Straße L239n ausserhalb des unteren Schwarzbachtales läßt sich der Verkehr aus dem Schwarzbachtal heraushalten und damit das Schwarzbachtal insgesamt schützen und in der jetzigen Form erhalten.

Die Gegner des Neubaues argumentieren:                                                          
nur durch den Ausbau der alten Straße, d. h. Verbreiterung der Fahrbahn, Begradigung der Kurven und Anlegen eines Fußgänger-/Radweges lasse sich das Schwarzbachtal schützen und einer weiteren Versiegelung der Landschaft würde vorgebeugt.

Diese Diskussion dauert bis zum heutigen Tage mit gleicher Vehemens an, wobei sich die Argumente im wesentlichen nicht geändert haben.
Geändert haben sich jedoch die Grundlagen, die vielleicht früher gegen einen Neubau sprachen.  Diese geänderten Grundlagen sind im wesentlichen:

  • War das Verkehrsaufkommen zu Beginn der Diskussion 1976 noch sehr gering, so stieg mit Ausbau der A 44 und der Anschlußstelle Schwarzbach  der Verkehr sprunghaft. Ab diesem Moment erschien die Mettmannerstraße als Umleitungsstrecke für die A 3 zwischen Mettmann und Homberg in den ADAC Straßen-Karten.
  • Die Umgehung von Mettmann nach und von Richtung Wuppertal wurde fertiggestellt, die Mettmannerstraße wurde auf Mettmaner und Düsseldorfer Gebiet ausgebaut und fertiggestellt. Dies rief eine weitere Verstärkung des Durchgangsverkehres auf der Mettmannerstraße hervor. In einer Verwaltungsvorlage (57/1983) von 1983 sprach man bereits von 5.500 Kfz pro Tag.
  • Wegen der Betonköpfigkeit der Ratinger Politik und Verwaltung bezüglich des Neubaues der Mettmanerstraße (damals unter Stadtdirektor Dr. Dahlmann) verhinderte die Stadt Düsseldorf schließlich, daß die A44 Richtung Düsseldorf eine Abfahrt auf die Reichswaldallee bekam, obwohl die A44 ursprünglich auch als Umgehung für die Stadt Ratingen gedacht war. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Alle PkW, die die Mettmannerstraße befahren und nach Düsseldorf Rath wollen, fahren jetzt mitten durch Ratingen (Europaring-Düsseldorferstaße). weitere Info aus der Rheinischen Post
  • Seit etlichen Jahren ist die Stadt Ratingen stolz darauf, daß Verwaltungsbetriebe und IT-Branchen sich für den Standort Ratingen interessieren und sich auch teilweise niedergelassen haben. So erfreulich diese Tatsache für den Kämmerer der Stadt Ratingen ist, so hat die Politik bezüglich Verkehrsplanung vollständig versagt. Niemand scheint zu berücksichtigen, daß die Angestellten dieser neu angesiedelten Branchen überwiegend aus dem Umland kommen und nicht aus Ratingen selbst. Erkennbar an den Kfz-Kennzeichen W, RS, SG usw., die heute auch zu einem überwiegenden Teil die Mettmannerstraße befahren. (z. B. Mettmannerstraße zwischen A44 und Kreisverkehr, Oststraße, Voisweg, alle vollgeparkt mit PkW dieser Firmen, weil mit Rücksicht auf die Investoren zuwenig Parkmöglichkeiten vorgeschrieben wurden)
  • Im Gegenzug werden Handwerksbetriebe und Industriebetriebe , die noch Ratinger Bürger beschäftigen, durch Überplanung mit Wohnbebauung aus dem Stadtgebiet heraus komplimentiert - Siehe Calor Emag und Balke Dürr. (die sog. 'Blaumänner' sollen aus Ratingen verschwinden, meint der Bürgermeister in der RP). Durch die vorzeitige und unnötige Überplanung des Balke Dürr Geländes erreichte man schließlich, daß der Babcock Konzern durch die höherwertig mögliche Verwertung des Industriegrundstückes fast mehr Gewinn machen konnte, als der Gesamtkonzern in 1998 als Überschuß ausgewiesen hat. Ein Wegzug von Ratingen nach Oberhausen war damit besiegelt. Nach dem Konkurs von Bacock war dann endlich der Weg frei für eine großflächige Bebauung des Geländes (ca. 16 ha). Die Planer freuen sich über die Ansiedlung von Deutsche Bank, Esprit und anderen Dienstleistungsunternehmen, die wiederum fast ausschließlich auswärtige Arbeitnehmer nach Ratingen ziehen. Den Erfolg dieser Ansiedlungen ohne vernünftige Verkehrsplanung kann man täglich in der örtlichen Presse nachlesen, z. B. Parkhaus für D2, befürchtetes Verkehrsaufkommen beim Calor-Emag Gelände und andere Knackpunkte, sowie die zwei 'Jahrhunderthochwasser', die durch stümperhafte Entwässerungsplanung und falsche Rücksichtnahme auf Investoren (Gewinnmaximierung) hervorgerufen wurden. Und alle diese Firmen arbeiten in gemieteten Gebäuden, d. h. bei Nichtgefallen des Ratinger Umfeldes wird der Bleistift eingepackt und weg sind sie.
  • Die Planung des Straßenbauamtes für den Neubau der L239n wurde zwischenzeitlich soweit reduziert, daß nunmehr nur noch eine Fahrbahnbreite von 6,5 m vorgesehen ist, wie dies bereits auf Mettmanner Gebiet durchgeführt wurde. Für diese Planung und auch die Streckenführung besteht Baurecht, d. h. bei entspechender Einstufung im Straßenbedarfsplan und Genehmigung der Gelder könnte sofort mit dem Neubau begonnen werden. Mit 6,5 m Fahrbahnbreite wird die Neubaustecke auch keine Schnellstraße, wie manche behaupten. Der Stadionring  z. B.  mit immerhin 7,5 m Breite ist wahrlich keine Schnellstaße.

Bei einem Neubau der L239n benötigt man keinen Fußgängerweg, da die alte Mettmannerstraße dann Anliegerstraße wäre, und somit ein gefahrloses Wandern durch das untere Schwarzbachtal möglich wäre.
 

Anmerkung neu:
Dies ist jetzt nach dem 'moderaten' Plattmachen des vorderen Schwarzbachtales seit Anfang 2011 nun nicht mehr mögliich!
Im Gegenteil wird durch die neue Rennstrecke aus einem Fußgänger ein Selbstmörder.